Angel- und Seed-Finanzierung bleiben von finanzieller Volatilität unberührt

Angel and seed financing unaffected by financial volatility

Angel- und Seed-Finanzierungen in Europa erweisen sich laut einer neuen Studie von Pitchbook als bemerkenswert widerstandsfähig gegenüber dem Abschwung auf dem Startup-Markt.

In der ersten Hälfte des Jahres 2021 zeigten sowohl die Medianwerte der Deals als auch die Bewertungen in diesen Phasen positive Trends. Den größten Anstieg verzeichneten die Medianwerte der Angel-Deals, die im Vergleich zu 2022 um 28,8% stiegen. Die Medianbewertung der Angel-Finanzierung stieg um 10,2%, während die Medianbewertung der Seed-Phase unverändert blieb.

Diese Zahlen verdeutlichen die isolierte Natur der Finanzierung in frühen Phasen. Angel- und Seed-Runden sind in der Regel weiter von öffentlichen Märkten entfernt, da Unternehmen in diesen Phasen noch weit von der Reife und dem Ausstieg entfernt sind. Da die Renditen langfristig sind, sind Investoren in diesen Runden weniger abhängig von vorübergehenden Marktschwächen.

Auch öffentliche Förderprogramme haben geholfen. Das Wachstum der Angel- und Seed-Phasen in Großbritannien, Irland, Frankreich und Benelux wurde teilweise auf Regierungsinitiativen wie SEIS und FCPI zurückgeführt.

Pitchbook erwartet, dass die Bewertungen von Angel- und Seed-Finanzierungen in naher Zukunft relativ unabhängig von Marktvolatilität bleiben werden. In späteren Runden sind jedoch die Anzeichen weniger ermutigend.

In der Venture-Growth-Phase sind die Zeiten besonders schwierig. In der ersten Hälfte des Jahres 2023 lagen die Medianbewertungen und der Deal-Wert von Venture-Growth um 18,5% bzw. 16,7% unter ihren Jahresdurchschnittswerten von 2022.

Ein Faktor für diesen Rückgang ist die Rolle von nicht-traditionellen Investoren wie Investmentbanken, Private-Equity-Firmen und Pensionsfonds.

In den Vorjahren haben diese Investoren den Wettbewerb, die Rundengrößen und die Bewertungen bei Venture-Growth-Unternehmen gesteigert, die oft ähnliche Geschäftsmodelle wie große öffentliche Unternehmen haben. Aber in H1 2023 sank der Deal-Wert mit Beteiligung nicht-traditioneller Investoren von 27,8 Mrd. € auf 18,7 Mrd. €.

Dies könnte darauf hindeuten, dass die Aufmerksamkeit auf die Finanzierung in frühen Phasen gelenkt wird. Der Anteil der Deals mit nicht-traditioneller Beteiligung blieb seit 2021 bei etwa 38% konstant – was darauf hindeutet, dass sie sich auf kleinere, frühere Runden konzentrieren, bei denen der Deal-Wert niedriger ist.

Trotz der Widerstandsfähigkeit in den frühen Phasen bleibt die allgemeine Finanzierungssituation äußerst herausfordernd.

Abwärtsrunden sind zum Beispiel häufiger geworden. Im zweiten Quartal waren 26,2% der Unternehmensbewertungen niedriger als in der vorherigen Finanzierungsrunde. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das türkische Unternehmen Getir, dessen Bewertung im Q2 2023 um 42,4% gesunken ist.

Auch die Aktivität von Einhörnern ist eingeschränkt. Derzeit gibt es in Europa 134 nicht börsennotierte Startups mit einer Bewertung von mindestens 1 Mrd. €, aber seit Ende 2022 sind nur fünf neue Unternehmen entstanden – eine deutlich niedrigere Rate als in den beiden vorangegangenen Jahren. Um diesen Rückgang abzufedern, empfiehlt Pitchbook eine stärkere Unterstützung von Regierungsfonds für Venture-Growth-Unternehmen.

Auch die Ausstiegsbewertungen sind eingebrochen. Die Medianbewertung fiel von 33,9 Mio. € im ersten Quartal des Jahres auf 17,3 Mio. € im Q2. Makroökonomische Faktoren, insbesondere die Zinssätze, sind für den Rückgang verantwortlich.

Pitchbook erwartet, dass weitere Korrekturen mit Verzögerung zu öffentlichen Aktien volatiler sein werden, was bedeutet, dass es noch zu früh ist anzunehmen, dass die Rückgänge ihren Tiefpunkt erreicht haben. Daher benötigen Stakeholder Geduld und längere Zeiträume, um den Verlust an Liquidität und Kapital in der Branche zu bewältigen.